Donnerstag, 26. April 2012

Buch digital


Auf der Buchmesse sprach Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Buchbranchenverbandes, über die Gefahr durch Piraterie und forderte „spürbare Sanktionen für rechtswidriges Handeln“. Ahhh – was für eine Erkenntnis. Wieso begreifen auch die Buchhändler nicht, was vorher Musik- und Filmindustrie schmerzlich lernen mussten. Das digitale Zeitalter hat andere Mechanismen als die Vergangenheit. Die Möglichkeit der Kopie umgeht man nicht mit Zwängen, Strafen und Schutzmechanismen, denn damit stirbt das Produkt an sich. Erst wenn man die digitalen Vorteile des Mediums zu nutzen weiß, geht es wieder aufwärts. Aber dieses Feld bleibt scheinbar modernen Firmen wie Apple oder Amazon überlassen.



Dabei ist das Buch das Medium, was am leichtesten zu kopieren ist. Schon vor Jahren passten mehrere Bücher auf eine Diskette und die paar Kilobyte Text eines Buches sind schnell kopiert. Allein das fehlende Abspielgerät hat das Buch gerettet. Wer liest schon gerne ein Buch auf einem Computer? Selbst auf Smartphones oder Tablets macht lesen wenig Spaß, denn Bildschirm bleibt halt Bildschirm, schlecht zu lesen, in der Sonne schon mal gar nicht, schlechte Akkuleistung und zu teuer.

Aber nun kommen sie, die e-book reader und werden das Buch verdrängen. So wie der Walkman, der Analogfilm, der VHS -Rekorder ersetzt wurden, so werden Bücher bald ein Nischendasein erleben.

E-Book reader werden immer noch unterschätzt, mit einem speziellen Tablet verwechselt oder gar als unnütz gesehen in der Reihe der vielen Geräte auf dem Markt. Dabei ist das e-book eine Revolution. Es kann nicht viel – ist dem Buch aber halt näher als irgendetwas anderes. Denn eigentlich ist ein e-book eine Druckerei für daheim. Denn statt eine Seite in einer Druckerei drucken zu lassen macht ein e-book das vor den Augen des Lesers. Denn e-ink ist nun mal kein klassischer Bildschirm sondern der Drucktechnik viel näher als einem LCD Panel. Und das hat gewaltige Vorteile: Die Seite sieht genauso aus wie in einem Buch, gestochen scharf – gedruckt halt. Wer es noch nicht gesehen hat sollte das mal nachholen. Da nach dem Seitendruck kein Strom mehr benötigt wird (den braucht es nur zum „umblättern“ bzw „neudrucken“) hält der Akku eine e-books im Vergleich zu anderen Geräten Ewigkeiten. Man kann wochenlang lesen ohne eine Steckdose aufsuchen zu müssen. Und das macht das e-book halt besser als ein Tablet.

Und im Vergleich zum Buch? Ein e-bbok ist kleiner und besser zu transportieren, eigentlich genau das, was ein Buch so ausmacht. Der Größenunterschied ist relativ, im Vergleich zu einem Buch liegt der Größenvorteil schon mal ganz gut,  aber im Vergleich zu 2000 Büchern, die da so draufpassen ist es leicht der Faktor 5000. Nun nimmt niemand 2000 Bücher mit, ok, aber so das Bücherregal immer dabeizuhaben ist schon praktisch. Auch der Buchkauf geht schneller als im Bücherladen. Steht man im Laden noch an der Kasse fängt man beim e-book schon zu lesen an. Und das auch Sonntags oder mitten in der Nacht.

Noch ein Vorteil gefällig? Ein e-book raschelt nicht beim Umblättern. Finde ich das Argument überhaupt ;-)

Aber nicht nur das Buch an sich muss sich fürchten, auch den Verlagen geht es an den Kragen. Denn mit der neuen Vertriebsmöglichkeit über das Internet etablieren sich gerade tausende neue Autoren am Buchmarkt, und das ganz ohne Verlag und Lektor. Die Qualitätssicherung und Auswahl geeigneter Manuskripte  erledigt das social Web gleich mit. Denn Dank Rezensionen, Kommentaren, likes und diesem ganzen social Kram findet man die guten Bücher ganz schnell. Die Besteller-Listen bei Amazon zeigen das schon ganz deutlich. Auf den vorderen Plätzen gibt es fast ausschließlich verlagsfreie Bücher für 99 cent – mit beachtlichen Rezensionen. Freuen können sich die Kunden (tolle Bücher zu endlich mal attraktiven Preisen)  und die Autoren (die bekommen nämlich genausoviel wie bisher).

Gibt es noch gute Argumente für ein Buch (also die Dinger aus Papier)?

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